
Der Wettbewerb um das Tankvolumen bei großen Motorrädern hat sich seit Inkrafttreten der Euro 5+-Norm kompliziert. Mehrere Hersteller haben das Volumen ihrer Tanks reduziert, um das Übergewicht durch die neuen Abgasreinigungssysteme und die elektronischen Ausstattungen (IMU, fortschrittliches ABS) auszugleichen. Ergebnis: Einige Modelle 2024 haben eine geringere Reichweite als ihre Versionen 2020-2022, trotz eines leichten Rückgangs des Verbrauchs.
Euro 5+ und Tanks: Warum Hersteller Liter verlieren
Das Phänomen bleibt oft in den technischen Datenblättern unbemerkt. Zwischen dem größeren Katalysator, dem Kabelbaum zusätzlicher Sensoren und der Verstärkung des Rahmens zur Aufrechterhaltung der Steifigkeit bei steigendem Gewicht ist der Tank die erste variable Anpassung. Bei einem Trail oder Roadster ermöglicht das Entfernen von einem oder zwei Litern, das Gesamtgewicht unter einen psychologischen Schwellenwert für den Markt zu halten.
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Wir beobachten, dass diese Logik weniger die hochpreisigen Maxitrails betrifft, bei denen das Entwicklungsbudget feinere Integrationslösungen erlaubt. Die Einstiegs- und Mittelklasse-Motorräder hingegen sind stark von dieser regulatorischen Einschränkung betroffen.
Bei Maschinen, die für Reisen konzipiert sind, bleibt die Tankkapazität ein entscheidendes Kriterium bei der endgültigen Auswahl. Ein Liter weniger, bei einem Durchschnittsverbrauch von fünf bis sechs Litern auf hundert Kilometer, bedeutet etwa zwanzig Kilometer weniger Reichweite, was die Planung von Etappen in abgelegenen Gebieten radikal verändert.
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Maxitrails von BMW und Honda: Die Referenztanks 2024
Die BMW R 1300 GS Adventure bleibt die absolute Referenz in Bezug auf das Volumen im Maxitrail-Segment. Ihr Tank übertrifft bei weitem das, was die meisten Konkurrenten anbieten, und der luftgekühlte Boxermotor hält den Verbrauch trotz der Hubraumgröße in Schach.
Die Honda Africa Twin Adventure Sports behält einen der großzügigsten Tanks im Segment. Der parallele Zweizylinder von Honda, bekannt für seine Sparsamkeit, kombiniert mit diesem Volumen, ergibt eine reale Reichweite, die die von Maschinen übertrifft, die auf dem Papier zwar einen ähnlichen Tank haben. Der Unterschied liegt im tatsächlichen Motorenwirkungsgrad unter Reisebedingungen (zwei Personen, beladene Gepäckträger).
Yamaha Ténéré 700: Der Fall des mittleren Trails
Die Ténéré 700 veranschaulicht einen anderen Kompromiss. Ihr Tank ist für einen Trail mit mittlerem Hubraum dimensioniert, aber der CP2-Einzylinder zeigt sich bemerkenswert sparsam. Die reale Reichweite im gemischten Straßen-/Gelände-Einsatz platziert sie in derselben Kategorie wie Maschinen mit deutlich größeren Tanks.
Dieses Verhältnis zwischen Volumen und tatsächlichem Verbrauch ist relevanter als nur die brutto angegebene Tankgröße. Wir empfehlen systematisch, die Herstellerangaben mit den Verbrauchsdaten im WMTC-Zyklus zu vergleichen, wenn diese verfügbar sind.
Touring-Motorräder und Grand Touring: Das Volumen als Verkaufsargument
Im reinen Touring-Segment (Honda Gold Wing, BMW K 1600 GT/GTL) sind die Tanks großzügig dimensioniert. Diese Maschinen waren nicht dem gleichen Druck zur Gewichtsreduzierung ausgesetzt wie die Trails, da ihre Kunden ein höheres Gewicht im Austausch für Komfort und Reichweite akzeptieren.
- Honda Gold Wing: Sechszylinder-Boxermotor mit bemerkenswerter Sparsamkeit für seinen Hubraum, Tank geeignet für kontinentalen Überquerungen ohne häufige Stopps
- BMW K 1600 GTL: Sechszylinder in Reihe, Tank konzipiert für lange Etappen, gesteuerte Federung, die den Verbrauch trotz des hohen Gewichts nicht belastet
- Kawasaki Vulcan 900 Classic LT: Im Cruiser-Segment bietet der Zweizylinder der Vulcan einen moderaten Verbrauch und einen ausreichend großen Tank für entspanntes Touring
Das gemeinsame Merkmal dieser Maschinen: die niedrige oder verstellbare Sitzhöhe, die das Beladen ermöglicht, ohne den Schwerpunkt zu destabilisieren. Ein großer, hoch platzierter Tank verändert das dynamische Verhalten, und die Touring-Hersteller integrieren diese Einschränkung bereits in die Rahmenkonstruktion.

Schwellenmärkte und überdimensionierte Tanks: Ein Indikator, den man im Auge behalten sollte
Das Segment der Commuter-Bikes und kleinen Trails von 150 bis 250 cm3, die in Indien und Südostasien verkauft werden, weist Tanks von 15 bis 20 Litern auf, die weit über dem liegen, was man bei vergleichbaren Hubräumen in Europa findet. Der Grund ist strukturell: längere tägliche Distanzen, seltene Tankstellen in ländlichen Gebieten.
Hersteller wie TVS, Hero und Honda India bieten Maschinen an, deren Verhältnis von Volumen zu Hubraum die europäischen Standards bei weitem übersteigt. Dieses Segment trägt massiv zum Wachstum des globalen Motorradmarktes bei, und einige dieser Plattformen beginnen, die in Europa verkauften Modelle zu beeinflussen.
Reale Reichweite vs. brutto Kapazität: Was die technischen Daten nicht sagen
Mehrere Hersteller kommunizieren mittlerweile über die reale Reichweite bei maximaler Beladung, gemessen nach dem WMTC-Zyklus und manchmal ergänzt durch interne Tests im Duo mit Gepäck. Diese Daten sind viel nützlicher als nur das Tankvolumen in Litern.
- Der WMTC-Zyklus simuliert drei Fahrphasen (städtisch, Landstraße, Autobahn) und liefert einen Verbrauch, der näher an der Realität liegt als eine Zahl bei stabiler Geschwindigkeit
- Die Reichweite bei maximaler Beladung (Fahrer, Beifahrer, Gepäck) kann im Vergleich zur angegebenen Solo-Reichweite um 15 bis 20 % sinken
- Die elektronischen Fahrmodi (Regen, Touring, Sport) beeinflussen den Verbrauch erheblich, manchmal mehr als das Tankvolumen selbst
Ein Maxitrail mit einem großen Tank im Sportmodus verbraucht mehr als ein mittlerer Trail im Touring-Modus mit einem bescheideneren Tank. Die Wahl des Fahrmodus hat ebenso viel Einfluss auf die endgültige Reichweite wie das Volumen.
Für 2024 reicht die brutto Rangliste der größten Tanks nicht mehr aus, um die Maschinen zu unterscheiden. Die Euro 5+-Norm hat die Karten neu gemischt, und es ist das Verhältnis von Tank zu realem Verbrauch unter Reisebedingungen, das das beste Motorrad bestimmt, um Kilometer zu machen, ohne an die Tankstelle zu müssen.